Der Versuch einer theologischen Wertung in Sachen „Segnungshandlungen von gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften“

 

Drei Aspekte sind hier zu unterscheiden: der exegetischen Befund, die theologische Wertung und das kirchenliche Handeln. Der exegetische Befund ist wohl eindeutig. Es gibt eine Handvoll einschlägiger Bibelstellen, in denen Paulus ganz klar die praktizierte Homosexualität als Ausdruck der gefallenen Schöpfung wertet. Manche Exegeten wollen hier haarklein zwischen Knabenschändung und der gelebten Homosexualität zwischen Männern unterscheiden. Diese Unterscheidung traue ich dem asexuell lebenden und eingestellten Paulus eher nicht zu, sondern befürchte, dass Paulus beides in einen Topf wirft und klar und deutlich „Sünde“ darauf schreibt.

Die theologische Wertung sollte dagegen differenzieren. Es gibt eine Reihe von Kirchenleuten, die setzen den exegetischen Befund mit der theologischen Wertung in eins und sagen: „Wenn Paulus sagt: Homosexualität ist Sünde, dann ist Homosexualität Sünde. Punkt.“ – Nun, das erscheint mir als eine Engführung. Die Handvoll einschlägiger Bibelstellen sind im Gesamtchor der Stimmen vom Alten und Neuen Testament zu sehen.

Meine eigene theologische Wertung ist (ohne das jetzt breit auszuführen): Was man der praktizierten Homosexualität vorwerfen kann, ist die Verfehlung des Schöpferwillens. Man kann diese Verfehlung dann Sünde nennen. Mir erscheint das Wort Sünde in diesem Zusammenhang freilich zu stark gewichtet. Aber wenn man das Verfehlen des Schöpferwillens klar als Sünde werten will, dann muss man diese Sünde auch klar in Relation und Gewichtung zu allen anderen „sündhaften Lebensbezügen“ setzen, in denen wir Christen oft so wonniglich und mit großem materiellem Gewinn und zugleich erschreckend kleinem schlechten Gewissen leben. Darum gilt auch hier: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“

Das Dritte ist das kirchenliche Handeln. Da kann man sich klar dafür entscheiden: Die Kirche darf die homosexuell gepolten Menschen nicht im Regen stehen lassen. Egal, ob man jetzt Homosexualität als Sünde wertet oder nicht. - Wenn man es als Sünde wertet, kann man sagen: Diese Sünde nehmen wir bewusst auf uns (peccate fortiter!), um die betroffenen Menschen zu begleiten.

Soweit, so gut. Aber es ist für mich nicht zwingend einsichtig, warum diese Begleitung unbedingt in Form einer öffentlichen Homo-Trauung oder einer Homo-Segnung (die dann auch noch aussieht wie eine kirchliche Trauung) geschehen muss. Warum sind wir als Kirche an dieser Stelle nicht kreativ und installieren neben dem Ehebund zwischen Mann und Frau eine liturgische Segenshandlung für einen Männerbund (der nicht aussieht wie eine kirchliche Trauung), der dafür die lebenslängliche (Lehns-)Treue, Ritterlichkeit und Kampf und Einstehen für den anderen wahrnimmt, - und vielleicht noch einen Frauenbund, der dann mehr die weiblichen Tugenden würdigt? Das würde der Würde dieser gleichgeschlechtlichen Lebens-partnerschaften weitaus mehr entsprechen, anstatt diesen Lebenspartnerschaften das Etikette „Ehe“ überzustülpen, nur damit sie von der Würde und der Wertigkeit der richtigen Ehe auch ein bisschen abhaben dürfen.

 

Die psychologischen Animositäten unserer Gesellschaft hinsichtlich der Homosexualität, dem Homo-Hipe  und der Homo-Ehe

 

Es tut mir weh, mit welcher Vehemenz viele Vertreter der Kirchen die Homo-Ehe fordern. Und das mit allem Ernst. Von blitzgescheiten Leuten. Das kommt mir so absurd vor. Jedes Kind weiß, dass eine Homo-Ehe keine richtige Ehe ist. Aber die Kirche nimmt jetzt anscheinend voll und ganz an diesem Homo-Hipe teil.

Bis jetzt kenne ich nur einen echten Grund für die Segnung einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft: Den seelsorgerlichen Grund. Aber das ist ein Trostpflaster – und nicht echt. Die kirchliche Homo-Ehe soll den Schmerz lindern und kompensieren. Im Grunde des Herzens wissen alle, dass eine Homo-Ehe keine richtige Ehe ist. Dass die Homosexualität – was die Fortpflanzung betrifft – eine fehlgeleitete Sexualität ist. Unser Gene sind evolutionär verwurzelt. Das ist unser Fleisch und Blut. Alle spüren bzw. ahnen diese sexuelle Fehlleitung als Mangel. Darum auch diese Mogelpackung namens „Volles Adoptionsrecht für die Homo-Ehe“. Die konkreten Änderungen sind in der konkreten Praxis marginal. Es gibt kein einklagbares Recht auf Adoption. Entscheiden tut immer das Jugendamt. Aber das Trugbild der „vollen Adoptionsrechtes“ muss aufrechterhalten werden.

Der geleugnete Mangel trifft auf Mitleid. Darum dieses Trostpflästerchen. Jetzt sagen alle: „Ja, aber sicher. Die Homo-Ehe ist eine echte Ehe!“ Auch wenn wir es alle anders wissen. Jetzt belügt sich eine ganze Gesellschaft. Nun, so schlimm ist das freilich nicht. Wir leben mit vielen Lebenslügen. Aber ehrlich ist das nicht.

Wer es konsequent zu Ende denkt, stellt fest: Die Gleichsetzung von homosexueller Lebenspartnerschaft mit der Ehe ist letztlich respektlos gegenüber den Menschen mit homosexueller Prägung. Sie nimmt den homosexuellen Lebenspartnerschaften ihre eigene Würde und speist sie mit einer geliehene Würde ab.

 

Hinzu kommen die Ekelgefühle. Aber die werden vielleicht vergehen. Wir erleben gerade das faszinierende, gesamtgesellschaftliche Experiment, bei dem die Ekelgefühle einer Mehrheit – um die Verletzlichkeit einer Minderheit willen - umerzogen werden sollen. Viele heterosexuelle Männer empfinden die männliche Homosexualität schlicht als ekelig. Das wissen instinktiv auch die homosexuellen Männer. Aber das wird verdrängt. Denn das ist eine tiefe Kränkung, wenn die eigene Homosexualität bei anderen Männern einen Ekel erzeugt. Man kompensiert diese Kränkung mit dem militanten Kampf gegen die sogenannten Homophoben. Das sind die, die noch umerzogen werden müssen. Jeder der nicht gleich zustimmt und sagt: „Homosexualität ist in Ordnung“, gilt als homophob. Man darf schon gar nicht anders denken. Man setzt sich selber Denkverbote. Vor 80 Jahren gab es das schon einmal, dass blitzgescheite Leute sich selber Denkverbote auferlegten, um ja nicht anzuecken.

Jetzt erleben wir den Versuch für eine gesamtgesellschaftliche Umerziehung. Ein ganzes Volk wurde ja schon zur Mülltrennung erzogen. Jetzt soll ein ganzes Volk dazu erzogen werden, die Homosexualität lieb zu gewinnen. Und das am besten schon im Kindergarten. Auch im Fernsehen ist zu dem Alibi-Schwarzen und der Alibi-„weiblichen Führungskraft“ jetzt auch noch der Alibi-Homo dazugekommen. So kann man entsprechende Gelder zur Finanzierung der Filme einstreichen. Das Ziel ist: Die Ekelgefühle sollen gesellschaftsweit verschwinden.

Nun, in dieser Umerziehung kann, darf und muss man das christliche Anliegen der Nächstenliebe erkennen. Es ist ganz sicher ein urchristliches Anliegen. Aber demokratisch ist es nicht, wenn eine Mehrheit um einer Minderheit willen in seinen Ekelgefühlen umerzogen wird. Ein Stück weit erlebe ich diesen Umerziehungsversuch auch als eine Art „Strafe“ und „Retourkutsche“ für das, was den homosexuellen Männern früher angetan wurde. Ob die Umerziehung der Gefühle auch wirklich gelingt, ist freilich eine weitere faszinierende Frage. Ich lade alle ein, die Erfolge oder auch Nicht-Erfolge dieses Experiment mit wachen Sinnen mitzuverfolgen.

 

 

Eine Andacht im Kirchengemeinderat (Juli 2017) zu dem Bundestagsbeschluss über die Homo-Ehen.

„Niemanden wird etwas weggenommen. Und einige haben wir sehr glücklich gemacht!“ – So ähnlich war der Tenor nach dem Husarenstück des Bundestages zur sogenannten Homo-Ehe.

Eine Kleinigkeit wurde uns schon weggenommen: Wie sprechen wir denn jetzt „richtig“ von der Ehe? Früher war die Ehe ganz klar die Ehe. Jetzt muss man dann schon bei einer Ehe von Mann und Frau etwas umständlicher formulieren. Wir können ja zu unserer alten Ehe nicht „richtige Ehe“ sagen, denn dann wären die neuen Homo- bzw. Lesben-Ehen ja „falsche Ehen“.

Sachlich korrekt ist die Bezeichnung „heterosexuelle Ehe“ für die Ehe, wie wir sie bis jetzt gekannt haben. Aber ist das nicht etwas umständlich?

Oder sollen wir von einer „klassischen Ehe“ zu sprechen. Aber das wäre ja eine gewisse Herabwürdigung der gleichgeschlechtlichen als „unklassische Ehen“! - Oder sollen wir von „Misch-Ehe“ sprechen, wenn wir eine Ehe von Mann und Frau meinen. Aber das würde freilich die gleich-geschlechtlichen Ehen zu den „reinen Ehen“ hochstilisieren. Die einen rein – die anderen nur gemischt. Das wäre vielleicht nicht so gut.

Kurz: Eines wurde uns genommen: Der klare Begriff der Ehe.

Ein wenig sehr entsetzt war ich über die Reaktion im Bundestag. Mit Sekt und mit Konfetti wurde dieser Beschluss gefeiert. Das sind doch Requisiten aus dem Karneval! Wird das diesem Bundestags-beschluss in der Würde gerecht?

Aber vielleicht passt es. Denn ganz grundsätzlich erlebe ich diese neue Form der Ehe als eine Augenwischerei. Für mich war das immer bloße Partei-Politik auf Kosten einer Minderheit. Gewisser-maßen eine wunderbares Feld, auf dem man sich profilieren kann. Wo man Emotionen bewegen kann. Aber nicht viel tun muss, um groß dazu stehen.

Was verspricht man sich von diesem Bundestagsbeschluss. Eine Ehe für alle. Und wie viele dürfen da mitmachen? Gerade `mal zwei. Aber vielleicht wird sich das auch noch ändern. Denn was heute modern ist, ist morgen altbacken – und dann muss man zu neuen Ufern aufbrechen.

Dann wurde das volle Adoptionsrecht für homosexuelle Paare erreicht. Das klingt so gut. So gut. Aber was bedeutet das in der konkreten Praxis. Zunächst darf man wahrnehmen: Es gab schon jetzt ein Adoptionsrecht, freilich eingeschränkt auf die je einzelne Eltern-Person. Und jetzt als Paar. – Und dafür so ein Wirbel? Da hätte ein Halbsatz im Gesetzestext schon vieles ermöglich, ohne diesen Wirbel: „Ausnahmen von der derzeitigen Regelung genehmigt das örtliche Jugendamt“ (was die Adoptionen betrifft).

Und noch einmal: „Das volle Adoptionsrecht“. Das war der letzte verbliebene Unterschied zwischen den eingetragenen Lebenspartnerschaften und der Ehe. Aber dieses „volle Adoptionsrecht“ ist kein Rechtsanspruch. Denn es gibt keinen einklagbaren Rechtsanspruch auf Adoption. Entscheiden tut das Jugendamt. Und jeder Adoption ist eine individuelle Entscheidung für das Wohl des Kindes. Konkret bedeutet dies: Zu den 30 adoptionswilligen hetero-sexuellen Ehepaare pro Adoptionskind kommen jetzt vielleicht noch 3 gleichgeschlechtliche Ehepaare dazu. Und dann soll das Jugendamt ausgerechnet dem gleichgeschlechtlichen Ehepaar das Kind, das adoptiert werden soll, zu sprechen? Deswegen habe ich bis jetzt diese Wahlkampfrede für die „Ehe für alle“ immer als eine große Luftnummer gehalten, mit der man sich ganz „doll“ vor der Öffentlichkeit aufblasen kann, wo aber faktisch nichts dahinter steht. Weil sich im Alltag nur ganz marginal etwas ändert.

Aber die Konfetti und der Sekt weisen in eine andere Richtung. Es geht um das Prinzip. Es ist etwas Grundsätzliches. Es geht die menschliche Freiheit. Der Mensch soll genau das bekommen, was er will. Wie natürlich oder unnatürlich es auch ist.

Und es ist etwas Psychologisches. Ein Homo-Paar darf jetzt richtig heiraten. Der Unterschied zu den eingetragenen Lebenspartner-schaften war nur noch der Unterschied von eingeschränktem und vollem Adoptionsrecht. Aber die Gefühle sind wichtig. Die dürfen jetzt richtig heiraten. Super. Echt.

Aber was ist richtig? Bekommt eine homosexuelle Partnerschaft ihren „richtigen“ Wert erst von einer „richtigen Ehe“. Oder böse gefragt: Ist eine homosexuelle Partnerschaft aus sich selber heraus weniger wert wie eine Ehe? Hat eine homosexuelle Partnerschaft denn keinen Eigenwert? Muss die sich erst das Etikett „Ehe“ umhängen, um endlich etwas zu sein? Deswegen habe ich diese Forderung nach dem Ehebegriff für homosexuelle Paare immer ein wenig respektlos gefunden. Weil hier der Eigenwert einer homo-sexuellen Partnerschaft geleugnet wird – oder eben klein gemacht wird.

Was aber macht die Ehe zur Ehe? Jetzt wird es spannend. Könnte es sein, dass der Wert der Ehe doch aus dem traditionellen Verständnis der Ehe herkommt, wie sie in der Natur vorgegeben ist - und wir Christen sagen: Wie Gott es bestimmt hat? Sollte aber der besondere Wert der Ehe daher kommen - was passiert dann jetzt mit der Neudefinition des Begriffs der Ehe? Diese alte Herkunft des Begriffs wird geleugnet und abgeschnitten - und am Ende verliert dieses „Etikett“ Ehe ihre innere Kraft. Und in zwanzig Jahren wundern sich alle, warum die so verrückt auf die Ehe waren, weil dann - in zwanzig Jahren - das „Etikett“ Ehe ihre innere Kraft verloren haben wird.

Aber dann kämpfen die Grünen und Linken vielleicht schon für die Ehe zu dritt und zu viert – oder vielleicht auch noch mit Tieren dabei, - eben als dann „jetzt endlich echte Ehe für alle“. Und wenn das erreicht wird, wird dann wohl mit Schnuller und Handrassel im Bundestag gefeiert. – Hauptsache wir Menschen machen uns frei – von allem, was uns gängeln will. So meinen wir.