Andacht über standesamtliche Homo-Ehe

„Niemanden wird etwas weggenommen. Und einige haben wir sehr glücklich
gemacht!“ So ähnlich war der Tenor nach dem Husarenstück des Bundestages
zur sogenannten Homo-Ehe.

Eine Kleinigkeit wurde uns schon weggenommen: Wie sprechen wir denn jetzt „richtig“
von der Ehe? Früher war die Ehe ganz klar die Ehe. Jetzt muss man dann schon bei
einer Ehe von Mann und Frau etwas umständlicher formulieren. Wir können ja zu
unserer alten Ehe nicht „richtige Ehe“ sagen, denn dann wären die neuen Homo-
bzw. Lesben-Ehen ja „falsche Ehen“.

Sachlich korrekt ist die Bezeichnung „heterosexuelle Ehe“ für die Ehe, wie wir sie bis
jetzt gekannt haben. Aber ist das nicht etwas umständlich? Oder sollen wir von einer
„klassischen Ehe“ zu sprechen. Aber das wäre ja eine gewisse Herabwürdigung der gleichgeschlechtlichen als „unklassische Ehen“!
Oder sollen wir von „Misch-Ehe“ sprechen, wenn wir eine Ehe von Mann und Frau
meinen. Aber das würde freilich die gleichgeschlechtlichen Ehen zu den „reinen Ehen“
hochstilisieren. Die einen rein – die anderen nur gemischt. Das wäre vielleicht nicht
so gut. Kurz: Eines wurde uns genommen: Der klare Begriff der Ehe.

Ein wenig sehr entsetzt war ich über die Reaktion im Bundestag. Mit Sekt und mit
Konfetti wurde dieser Beschluss gefeiert. Das sind doch Requisiten aus dem
Karneval! Wird das diesem Bundestagsbeschluss in der Würde gerecht? Aber
vielleicht passt es. Denn ganz grundsätzlich erlebe ich diese neue Form der Ehe
als eine Augenwischerei. Für mich war das immer bloße Partei-Politik auf Kosten
einer Minderheit. Gewissermaßen eine wunderbares Feld, auf dem man sich
profilieren kann. Wo man Emotionen bewegen kann. Aber nicht viel tun muss,
um groß dazu stehen.

Was verspricht man sich von diesem Bundestagsbeschluss. Eine Ehe für alle.
Und wie viele dürfen da mitmachen? Gerade `mal zwei. Aber vielleicht wird sich
das auch noch ändern. Denn was heute modern ist, ist morgen altbacken –
und dann muss man zu neuen Ufern aufbrechen.

Dann wurde das volle Adoptionsrecht für homosexuelle Paare erreicht.
Das klingt so gut. So gut. Aber was bedeutet das in der konkreten Praxis.
Zunächst darf man wahrnehmen: Es gab schon jetzt ein Adoptionsrecht,
freilich eingeschränkt auf die je einzelne Eltern-Person. Und jetzt als Paar.
Und dafür so ein Wirbel? Da hätte ein Halbsatz im Gesetzestext schon vieles
ermöglich, ohne diesen Wirbel: „Ausnahmen von der derzeitigen Regelung
genehmigt das örtliche Jugendamt“ (was die Adoptionen betrifft).

Und noch einmal: „Das volle Adoptionsrecht“. Das war der letzte verbliebene
Unterschied zwischen den eingetragenen Lebens-partnerschaften und der Ehe.
Aber dieses „volle Adoptionsrecht“ ist kein Rechtsanspruch. Denn es gibt keinen
einklagbaren Rechtsanspruch auf Adoption. Entscheiden tut das Jugendamt.
Und jeder Adoption ist eine individuelle Entscheidung für das Wohl des Kindes.
Konkret bedeutet dies: Zu den 30 adoptionswilligen hetero-sexuellen Ehepaare
pro Adoptionskind kommen jetzt vielleicht noch 3 gleichgeschlechtliche Ehepaare
dazu. Und dann soll das Jugendamt ausgerechnet dem gleichgeschlechtlichen
Ehepaar das Kind, das adoptiert werden soll, zu sprechen? Deswegen habe ich
bis jetzt diese Wahlkampfrede für die „Ehe für alle“ immer als eine große
Luftnummer gehalten, mit der man sich ganz „doll“ vor der Öffentlichkeit
aufblasen kann, wo aber faktisch nichts dahinter steht. Weil sich im Alltag nur
ganz marginal etwas ändert.

Aber die Konfetti und der Sekt weisen in eine andere Richtung. Es geht um
das Prinzip. Es ist etwas Grundsätzliches. Es geht die menschliche Freiheit.
Der Mensch soll genau das bekommen, was er will. Wie natürlich oder
unnatürlich es auch ist.

Und es ist etwas Psychologisches. Ein Homo-Paar darf jetzt richtig heiraten.
Der Unterschied zu den eingetragenen Lebenspartner-schaften war nur noch
der Unterschied von eingeschränktem und vollem Adoptionsrecht. Aber die
Gefühle sind wichtig. Die dürfen jetzt richtig heiraten. Super. Echt. Aber was
ist richtig? Bekommt eine homosexuelle Partnerschaft ihren „richtigen“
Wert erst von einer „richtigen Ehe“. Oder böse gefragt: Ist eine homosexuelle
Partnerschaft aus sich selber heraus weniger wert wie eine Ehe? Hat eine
homosexuelle Partnerschaft denn keinen Eigenwert? Muss die sich erst das
Etikett „Ehe“ umhängen, um endlich etwas zu sein? Deswegen habe ich diese
Forderung nach dem Ehebegriff für homosexuelle Paare immer ein wenig
respektlos gefunden. Weil hier der Eigenwert einer homosexuellen Partner-
schaft geleugnet wird – oder eben klein gemacht wird.

Was aber macht die Ehe zur Ehe? Jetzt wird es spannend. Könnte es sein,
dass der Wert der Ehe doch aus dem traditionellen Verständnis der Ehe
herkommt, wie sie in der Natur vorgegeben ist - und wir Christen sagen:
Wie Gott es bestimmt hat? Sollte aber der besondere Wert der Ehe daher
kommen - was passiert dann jetzt mit der Neudefinition des Begriffs der
Ehe? Diese alte Herkunft des Begriffs wird geleugnet und abgeschnitten -
und am Ende verliert dieses „Etikett“ Ehe ihre innere Kraft. Und in zwanzig
Jahren wundern sich alle, warum die so verrückt auf die Ehe waren,
weil dann - in zwanzig Jahren - das „Etikett“ Ehe ihre innere Kraft verloren
haben wird.

Aber dann kämpfen die Grünen und Linken vielleicht schon für die Ehe zu
dritt und zu viert – oder vielleicht auch noch mit Tieren dabei, - eben als
dann „jetzt endlich echte Ehe für alle“. Und wenn das erreicht wird, wird
dann wohl mit Schnuller und Handrassel im Bundestag gefeiert. –
Hauptsache wir Menschen machen uns frei – von allem, was uns gängeln
will. So meinen wir.