Vorbereitung zur Visitation 2015

Im Frühjahr 2015 ist es wieder einmal so weit: Wir haben wieder eine Visitation in unserer Kirchengemeinde.

Eine Besonderheit unseres Kirchenbezirks:

Drei Dekane haben sich angemeldet: Dekan Beatus Widmann aus Balingen, Codekan Albrecht Knoch aus Sigmaringen und Schuldekanin Ulrike Spähle aus Rottweil. Dass wir in Balingen neben dem Dekan einen Codekan haben, hat mit der Größe unseres Kirchenbezirkes zu tun. Er erstreckt sich über die Landkreise Balingen und Sigmaringen. Der Codekan ist dem Dekan beigeordnet und nimmt in seinem Auftrag eine Reihe dekanatamtlicher Aufgaben wahr. Codekan Knoch wird auch die anstehende Visitation bei uns federführend durchführen. Dekan Widmann wird zu bestimmten Anlässen dann auch mit dabei sein.

Was ist eine Visitation?

Für nicht Eingeweihte klingt es sehr erhaben: „Visitation“. Was ist das eigentlich? Das Wort „Visitation“ kommt von dem lateinischen „visitare“, auf Deutsch: „besuchen. Aus dem Krankenhaus kennen wir ein ähnliches Wort: Die tägliche „Visite“ des Arztes. Der Arzt schaut im Krankenzimmer vorbei und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge – und berät. So ähnlich ist das bei einer Visitation einer Gemeinde durch den Dekan. Nur dass wir nicht krank sind. Aber eine gewisse Überprüfung in regelmäßigen Abständen tut gut. Neudeutsch spricht man von „Qualitätsmanagement“. Der Sache nach führte bereits der Apostel Paulus die ersten Visitationen durch.
Wenn nichts dazwischen kommt, kommt der Dekan alle acht Jahre zur Hauptvisitation in die Kirchengemeinde und dazwischen – nach vier Jahren – zu einer kleineren Zwischenvisitation, bei der er sich nach dem Stand der Dinge erkundigt und der Umsetzung angesprochener Vorhaben.
Das Augenmerk einer Visitation richtet sich zunächst auf die äußere Ordnung im Pfarramt und in der Kirchenpflege. Aber das eigentliche Hauptziel ist die „geistliche Situation“ in der Kirchengemeinde: Was ist der Stand? Welche Entwicklungsmöglichkeiten kann man entdecken?

Der wohltuende Effekt einer Visitation

Wenn der Arzt kommt und untersucht, fragen wir uns immer voller Angst: „Findet er etwas Unheilvolles?“ Und wie ist das beim Kommen des Dekans? Natürlich soll und wird da alles in brüderlicher und schwesterlicher Liebe geschehen. Zugleich ist die Visitation auch Anlass zur Selbstkontrolle und eigenem Aufräumen. Das ist ganz ähnlich, wie wenn wir Besuch bekommen. Dann gehen wir auch durch die Wohnung und räumen auf – und schauen in alle Ecken, ob nicht hier und da etwas in Ordnung gebracht werden muss. Hinterher freut man sich über die ordentliche Wohnung. So soll das auch bei der Visitation sein.

Wie verläuft solch eine Visitation?

Für die Öffentlichkeit in der Kirchengemeinde und im Ort sind drei  Elemente wichtig:

1.) Das sogenannte Gemeindeforum eröffnet die Visitation. Bei uns wird dazu am Donnerstag, 05.02.2015, um 19 Uhr ins Gemeindehaus eingeladen. Das ist ein öffentlicher Gemeindeabend.
Hier stellt die Kirchengemeinde ihre Arbeit erst einmal selber vor. Das ist gewissermaßen die Selbstwahrnehmung. Es folgt bzw. folgen eine oder mehrere erbetene „Außenwahrnehmungen“ von Vertretern aus (anderen) Kirchen, Schule, Politik, Wirtschaft und Vereinen. Beides, die Selbstwahrnehmung und die Außenwahrnehmung, soll danach in ein offenes, kritisch-konstruktives Gespräch münden, von dem neue Impulse für eine Weiterentwicklung des Gemeindelebens ausgehen dürfen. So ein Gemeindeforum wird üblicher Weise von einem erfahren Moderator geleitet. Wir konnten Pfarrer Walter Schweiger aus Ebingen für diese Aufgabe für unser Gemeindeforum Anfang Februar gewinnen.

2.) Im März folgt dann die sogenannte Visitationswoche. Hier nimmt sich der Dekan (bei uns wird das Codekan Knoch sein) Zeit für Gespräche aller Art. Dafür vereinbart der Codekan persönliche Gespräche mit einer Reihe von „maßgeblichen“ Leuten aus der Kirchengemeinde, aber auch aus dem Ort aus Schule, Politik, Wirtschaft und Vereinen. Daneben sollen für die die Gemeinde eine oder zwei öffentliche Sprechstunden angeboten werden. In dieser Woche wird er sich auch eingehend mit den Angelegenheiten des Pfarramtes, der Kirchenpflege und der Kirchengemeinde beschäftigen. Ebenfalls in dieser Woche wird die Schuldekanin den Konfirmandenunterricht und den Schulunterricht besuchen. Am Ende dieser Woche „besucht“ der Codekan den Gottesdienst und spricht im Rahmen dieses Gottesdienstes ein Grußwort des Codekans.

3.) Der sachliche Abschluss der Visitation ist eine besondere, öffentliche Kirchengemeinderatssitzung zur Visitation, in der Dekan, der Codekan und die Schuldekanin mit dem Kirchengemeinderat ein Gespräch führen, um ihre jeweils gewonnenen Eindrücke aus dem Gemeindeforum, aus den Gesprächen u.a. vertiefen können. Bei diesem Gespräch darf die Öffentlichkeit zuhören. Der öffentlichen Sitzung wird sich eine nichtöffentliche Sitzung anschließen.


Wir sagen Danke: Für das gelungene Gemeindeforum

Frei nach einer gewissen Fernsehsendung der 70iger Jahre könnte es jetzt heißen: „Das war spitze!“ Unter der gekonnten Moderation von Pfarrer Walter Schwaiger aus Albstadt-Ebingen wurde das Gemeindeforum zu einem erlebnisreichen Abend.


Nach einem geistlichen Grußwort von Co-Dekan Knoch stellten „wir“ uns und unsere Arbeit vor: Viele Gruppen und Kreise unserer Kirchengemeinde präsentierten sich, meist mit einem Plakat und ein paar Infos zu ihrer Gruppe.


Mit dabei waren: die Eltern-Kind-Gruppe, das Kindergartenteam, die Kinderkirche, das Kinderbibelnachmittag-Team, die Mädchenjungschar, Posaunenchor, der Kirchenchor, das Kirchenkaffee-Team, der Besuchsdienst, der Gemeindebrief, das Team der Reife Runde und schließlich der Kirchengemeinderat. Das war sehr beeindruckend. Der Reichtum unserer Kirchengemeinde wurde uns vor Augen geführt.
Ein Schwerpunkt der Arbeit unserer Kirchengemeinde liegt unverkennbar auf der Kinder- und Jugendarbeit. Daneben sind die Chöre die „tragenden Gruppen“ unserer Kirchengemeinde, schon allein mit ihrem monatlichen Spielen bzw. Singen in den Gottesdiensten, ganz zu schweigen von ihrem jeweiligen Helfen und mit Dabeisein bei den Festen und anderen Anlässen! Die Gemeinschaft wird in unserer Gemeinde gut gepflegt. Dafür stehen die Reife Runde, das Kirchenkaffee und (was beim Gemeindeforum jetzt nicht so deutlich wurde:) der monatliche „Treff50plus“ in Lautlingen.

Das wurde auch in den folgenden Grußworten deutlich. Herr Dr. Spengler aus Margrethausen nahm die Rolle und Bedeutung der Kirchengemeinden heute in den Blick, die den Menschen als Menschen und die Gemeinschaft und Nähe der Menschen wahr und ernst nehmen soll. Frau Ortschaftsrätin Christiane Fritsche rückte besonders den evangelischen Kindergarten als eine wichtige Einrichtung für die Familie Laufens in den Blick. Herr Vereinssprecher Thomas Bolkart berichtete von dem guten Miteinander von Kirche und Vereine, das zum einen bei den beiden Dorffesten 2004 und 2009, aber auch bei dem Engagement der Vereine für die große Kirchenrenovierung deutlich wurde. Frau Kirchengemeinderätin Doris Schreyeck von der katholischen Kirchengemeinde Lautlingen-Laufen erinnerte u.a. an die ökumenische Sternwallfahrt und an die Ökumenische Bibelwoche. Auch bei diesen Veranstaltungen wir der Wille zu guten Miteinander deutlich und gelebt. Auch den Grußwortrednern an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön!

In den anschließenden Austauschrunden wurde neben dem Lob für alles, was gut läuft, vor allem die problematische Altersstruktur unserer Kirchengemeinde angesprochen. Die normale Gottesdienstgemeinde ist ein Ü-65-Club. Dann darf das Engagement der beide Chören nicht über den akuten Nachwuchsmangel hin-wegtäuschen. Ohne Neuzugänge werden beide Chöre im Laufe der nächsten zehn Jahre nicht mehr „spiel-“ bzw. „singfähig“ mehr sein“. Die typische Gottesdienstmüdigkeit wurde wahrgenommen und beklagt. Eine Suche nach neuen Verkündigungs-Formaten und Gottesdienstformen wird dringend angemahnt und gewünscht.